The Red Centre – Eastmacs

Australien 2017 – Das rote Zentrum – Teil 3

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Desert Park

Bevor ich hier von den Eastmacs erzähle, wollte ich noch ein paar Worte über den Desert Park in Alice verlieren. Wir waren insgesamt 2x da. Einen ganzen Tag und dann noch zu einer Nachtführung. Mit einem Zoo kann man ihn eigentlich nicht vergleichen. Zu sehen bekommt man nämlich nur Tiere die hier im Zentrum auch natürlich leben. Außerdem gibt es Vorstellungen von Eingeborenen die einem die Kultur und Lebensweise etwas näher bringen. Auch die Pflanzen sind eigentlich ausschließlich welche die man hier auch draußen finden könnte. Es ist aber halt alles schön angelegt und auf engem Raum, so dass man nicht ewig suchen muss. Die Vögel sind in Volieren und können nicht ganz so weit wegfliegen. Mit etwas Geduld ist also möglich die ganzen Tiere zu beobachten. Eine Vorstellung mit trainierten Raubvögeln war auch beeindruckend. So nah sieht man diese sonst nicht. Später, im Souvenir Shop gab es sogar ein paar ziemlich coole Sachen und im Café gab es dann einen Kuchen mit Getränk. Ich glaube wir waren an dem Tag sogar bis zum Ende da.

Um ein paar der nachtaktiven Tiere zu sehen, haben wir uns dann noch für eine Nachtführung angemeldet und wurden mit Rotlicht nochmal durch einen Teil des Parks geführt. So ganz genau kann ich mich nicht mehr erinnern, aber Echidnas haben wir auf jeden Fall gesehen. Dazu noch kleine Beuteltiere und ein paar andere. Wombat war glaube ich keiner dabei, die gibt es im Zentrum aber glaube ich auch nicht. Es war auf jeden Fall lustig wie einer der Echidnas an meinem Bein hochkrabbeln wollte. Rotlicht scheint die Tiere wirklich nicht zu stören. 

Die Eastmacs

Landschaftlich anders als die Westmacs sind die Eastmacs, aber nicht weniger spektakulär. So detailliert kenne ich mich mit der Geologie dort nicht aus, aber die Schichten sind dort wohl etwas anders und der Quarzit ist nicht mehr so dominant. Auch farblich geht es eher ins Braune. Hier im östlichen Teil war ich hauptsächlich allein unterwegs. Nur an einem Wochenende bin ich zusammen mit Anett losgeszogen. Wir hatten aber entschieden ein lässiges Wochenende zu machen und so fuhren wir an einem Tag zum Jessies Gap um dort einen gemütlichen Nachmittag zu verbringen. Mit im Gepäck hatten wir unsere Hängematten und ein paar Würstel fürs BBQ. 🙂 Zuerst mussten wir allerdings im Todd River nach Feuerholz suchen. Anett kannte aber schon ein paar ergiebige Stellen und es dauerte nicht so lange bis wir den Tray von Crystal mit genügen Holz vollgepackt hatten. Ich hatte natürlich auch meine Kamera im Gepäck und ein Buch hatten wir beide dabei.

Faulenzer

Arltunga

Mein erster Ausflug allein führte mich nach Arltunga. Einer ca. 100 Jahre alten “Goldgräbersiedlung”. Übrig sind davon noch ein paar Gebäude und Reste von Maschinen. Auch die alten Stollen sind noch zum Teil sichtbar. Rein gehen kann man allerdings nicht. Das ganze ist ein wenig wie ein selbst-geführtes Outdoor Museum hergerichtet. Man kann sich überall Zettel mitnehmen um Fakten nachzulesen über was man grade sieht. Danach soll man die Zettel aber wieder zurück legen, damit sie andere Leute auch benutzen können und sie nicht ständig nachgefüllt werden müssen. Man kann sich die Zettel auch selbst auf der Webseite oben runterladen. Bis ganz in den Westen zur neueren Mine, die bis 1990 noch aktiv war, bin ich nicht gekommen. Angeblich wird sogar heute dort wieder gearbeitet, zumindest sollen die damaligen Schutthalden wieder durchgearbeitet werden. Man bekommt einen Einblick das entbehrungsvolle Leben was die Goldsucher damals hier führten. Vom Rückweg habe ich dann erneut ein kleines Video gemacht um sich evtl. etwas vorstellen zu können wie die Straßen dort aussehen. Es ist natürlich lange nicht so lustig, denn allein im Auto ist es dann doch recht still und man hört niemand reden. Wie beim Palm Valley Video ist hier auch das Bild beschleunigt, der Ton jedoch nicht. Dadurch ist natürlich beides nicht mehr synchron. Spiegelt aber die tatsächlichen Geräusche besser wieder wie wenn Beides beschleunigt wäre. Der Teil mit dem Gegenverkehr läuft in Echtzeit 😉

Der Rückweg führte mich dann zu dem Roadhouse da in den Eastmacs. Dort kann man auch übernachten und länger bleiben. Es hat auch seinen eigenen Stil und ist auf jeden Fall ist es einen Besuch wert. Ich war nicht so lange da, nur für eine Erfrischung und einen kurzen Blick. Es war schon Nachmittag und ich wollte an dem Tag nicht so lange weg sein, weil Abends etwas mit Anett geplant war. Im Fenster entdeckte ich aber trotzdem die selbstgemachten “Beanies”. Das sind eigentlich Strickmützen, sie haben aber oft schöne Muster. Woher der Name kommt weiß ich aber nicht mehr… Auf dem Rückweg wollte ich dann auch unbedingt noch einen Blick nach Trephina werfen. Allerdings war es wirklich nur ein schneller Blick, denn die Sonne war schon fast untergegangen. Es reichte aber um den Entschluss zu fassen hier noch ein zweites Mal her zu kommen. Durch die Abendsonne hatte ich auch Glück und erwischte den großen Ghost Gum dort in einem schönen Abendlicht.

Ghost Gum at Trephina

Trephina Gorge

Gegen Ende meines Besuches im Zentrum musste Anett dann auch auf einen etwas längeren Geländetrip. Ich hatte also einige Tage am Stück die ich allein verbringen musste und auch Abends niemand in Alice. Die ersten beiden Tage wollte ich erneut in den Eastmacs verbringen und da vor allem Trephina den zweiten Besuch abstatten. Auf der Hinfahrt kam ich noch am Corroboree Rock vorbei und wollte eigentlich die südliche Dirt Road nehmen um über N’Dhala Gorge dann nach Trephina zu fahren. Allerdings muss ich wohl die Abzweigung übersehen haben, denn ich fuhr wieder die einspurig asphaltierte Straße entlang. N’Dhala Gorge ist ein kleines Tal in dem die Eingeborenen hier vor langer Zeit schon ihre Geschichten in die Felsen gemeiselt haben. Man kann die Petroglyphen heute noch gut sehen, allerdings war es für mich schwierig die Zeichen zu deuten. Das “Fact sheet” war dabei auch keine große Hilfe. Vielleicht sollen die Geschichten und Zeichen nicht einfach so von Fremden verstanden werden. Evtl. war vor Ort sogar eine Tafel mit Erklärungen und ich kann mich einfach nicht mehr daran erinnern.

Ich hatte auf jeden Fall schnell beschlossen nicht auf dem kleinen Campingplatz hier zu übernachten sondern zurück nach Trephina zu fahren um dort mein Lager aufzuschlagen. Der Campingplatz dort ist auch viel größer und schöner. Direkt am Flussbett gelegen mit viel Platz und Bäumen. Ich stattete auch dem nahegelegenen Rockhole noch einen Besuch ab. Dort gibt es auch einen ganz netten Campingplatz. Mit viel Zeit kann man hier auch eine schöne Rundwanderung machen. Oben auf der Schulter der Schlucht entlang und in der Schlucht selbst zurück. Ich hab es nur bis hoch auf die Schulter zum nächstgelegenen Ausblick geschafft. Mir war erstens noch zuviel Wasser im Loch um da mit meinem ganzen Fotozeug später nicht doch ausversehen reinzufallen und ich wollte eigentlich auch noch einen gemütlichen Abend am Lagerfeuer verbringen und mein Projekt “Holzschwert” für Anett etwas voranbringen. Dafür hatte ich mir extra noch im Hardware Store ein Beil und Feilen gekauft. 

Rockhole Lookout

So hatte ich also noch Zeit um gemütlich mein Lager aufzubauen und Feuer in Gang zu bringen ehe die Sonne hinter den Felsen verschwand. Nebenher schoss ich noch ein paar Bilder aus dem Flussbett gen Himmel. Das Feuer beleuchtete die Bäume von unten und ich schwang das Beil bis mein Arm schlapp machte.

Nachthimmel über Trephina

Am nächsten Morgen war ich früh genug wach um den Sonnenaufgang festzuhalten und noch eine kleine Rundwanderung zu machen. Der Weg führte mich dabei erst durch das Flussbett und dann auf einer der Schultern zurück. Zusammen mit den grauen Wolken die an dem Tag über den Himmel zogen ergaben sich manchmal fast unwirkliche Farbkombinationen. Der exakte Name des Busches ist mir leider entfallen, aber ich bin mir fast sicher, dass Apfel im Namen vorkam, deswegen nannte ich ihn auch immer Stachelapfel 😉

Ruby Gap

Nach dem ich meine morgendlichen Unternehmungen in Trephina abgeschlossen und mein Lager wieder auf Crystal verstaut hatte, war der Tag schon ganz gut vorangeschritten. Ich hatte mir aber vorgenommen Ruby Gap noch zu besuchen. Den Namen hat das Tal von den roten Mineralien die man da zu hauf findet. Vielleicht dachten die Entdecker damals wirklich dass es Rubine wären. Es handelt sich allerdings um Granate. Jeder Menge Granate. Die meisten sind allerdings winzig. Was ich unterschätzte, war die Fahrtdauer. Die komplette Strecke zum Ruby Gap ist nur für 4WDs. Dementsprechend kann man halt auch nicht besonders schnell fahren. Und so allein im Auto zieht sich das dann doch ganz schön lang. Für die einfache Strecke brauchte ich fast 2 Stunden. Im Gap selbst war dann sehr viel lockerer Sand und ich hatte natürlich keine Schaufel dabei. Ich fuhr also nicht die ganze Strecke sondern parkte Crystal an bei der erstbesten Gelegenheit. Irgendwie hatte ich so allein ohne Schaufel dann doch etwas Muffe mich hier einzugraben und beim reinfahren hatte ich auch schon deutlich gemerkt wie anstrengend das für Crystal war in dem lockeren Sand voran zu kommen. “Bloß nicht anhalten.”, hab ich mir immer eingeredet. “Sobald du stehen bleibst kommst nicht mehr los.” Naja wie auch immer, ich hab das Tal dann noch ein Stück zu Fuß erkundet. Bis zum Wasserloch habe ich es aber nicht geschafft. Die ganzen Granate und andere schwere Mineralien sind mir aber sofort aufgefallen. Sie lagen immer schön im Strömungsschatten von größeren Steinen. Eigentlich ein schöner Fleck. Allerdings sollte man hier mindestens eine Nacht übernachten, um genügend Zeit zu haben sich die Gegend gemütlich anzusehen. Nur für einen kurzen Blick lohnt sich die lange Fahrt nicht. Ich hatte allerdings schon anderen Pläne und ich musste wieder zurück, sonst wäre mein Plan mit dem Ausflug zum Uluru wahrscheinlich nicht mehr zu schaffen gewesen. Auf der Fahrt nach draußen bemerkte ich noch einen Zeugen der wahrscheinlich schon etliche Abenteurer beobachtet hat.

Zu allem Überfluss wollte ich auch nicht noch ein weiteres Mal die gleiche Straße zurück fahren und dachte mir, dass es “oben rum” ja auch nicht viel länger sein kann. Tja weit gefehlt. Die ganze Strecke ist dort Dirt Road und nicht gerade in top Zustand. Außerdem verläuft sie größtenteils durch Farmen. Es wurde immer dunkler und dunkler, ohne Stuart Highway in Sicht. Es half auch nicht, dass ich hier und da mit Kühen zu kämpfen hatte und dann doch noch ein Bild von dies und jenem machen wollte. Gegen Ende bin ich im nachhinein wahrscheinlich schon verboten schnell auf einer Dirt Road unterwegs gewesen und es hätte wohl leicht was passieren können. Stellenweise war wiederum dann auch gar nicht möglich zügig zu fahren, da der Zustand der Straße das einfach nicht hergab. Zum Glück griff die Vernunft und ich schrieb den Sonnenuntergang am Wendekreismonument ab. Ob ich es unten rum geschafft hätte weiß ich nicht. Allerdings sollte man den Unterschied von Asphalt zu Schotter niemals unterschätzen. Hinterher lassen sich natürlich immer einfach irgendwelche Weisheiten verzapfen. Jeder von uns hat wohl Moment in seinem Leben, die in bestimmten Situationen wieder hochkommen und man sich dann denkt. “War ich damals aber leichtsinnig.” Vielleicht übertreibe ich hier auch ein wenig, denn bisher bin ich bei Erinnerungen an diese Fahrt noch nicht aus Scham im Boden versunken. Das trifft auf Situationen auf deutschen Autobahnen schon eher zu. Allerdings sind diese zum Teil auch dem nicht vorhandenen Tempolimit und meinen damals grünen Ohren anzulasten… Am Ende kamen ich und Crystal dann doch noch wohlbehalten am Wendekreismonument an und es waren sogar noch letzte Reste des Abendrots zu sehen.

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